Hallesche Kantorei e.V.

Aktuelles

 

 

 

Georg Friedrich Händels "Messias" –
ein Weihnachtsoratorium mit 2 Halleluja
von Dr. Stephanie Lotze

Unter der Leitung von Maik Gruchenberg haben am 11. Dezember 2016
Marie Friederike Schöder (Sopran),
Leonore Becker (Alt),
Björn Christian Kuhn, (Tenor),
Jörg Fritz Reddin (Bass),
Jürgen Pfüller (Orgel),
die Hallesche Kantorei und concentus musicus halle
in der Taufkirche von Händel ein so schönes Konzert gestaltet, dass als erklatschte Zugabe ein 2. Halleluja erklang.

Händel thematisiert die Erwartung, das Kommen und die Geburt Christi- des Messias- als Erlöser. Auch im "Messias" wird die Menschwerdung Gottes musikalisch dargestellt- ein Weihnachtsoratorium! Die Marktkirche zu Halle als Taufkirche von Händel bietet vom inhaltlichen Aspekt des geistlichen Werkes eine ideale Aufführungsstätte.
Händel als Europäer hat alle wichtigen musikalischen Gattungen seiner Zeit aufgesogen und im "Messias" so Elemente der Oper, der Kantate, des Konzertes, des Anthems - der englischen Kirchenmusik - vereint.
Wir haben am Adventssonntag ein Konzert erlebt, dessen Musizierweise sich an barocker Aufführungspraxis orientierte, mit Streichern als auch mit Bläsern (zwei moderne Barocktrompeten oder Taschentrompeten, zwei Oboen und einem Fagott), Pauke und einer Orgel besetzt. Die Streichinstrumente waren nach heutigem Standard bespannt und doch entstand ein besonderer Klang, gestützt durch eine andersartige Artikulation und Dynamikgestaltung: filigran, obertonreich und hell.
Bereits die Sinfonia, in der Form einer französischen Ouvertüre aufgebaut, zeigte concentus musicus halle als Instrumentalvirtuosen. Sie musizierten präzise und dennoch luftig und leicht, selbst in der Dramatik.
Die Intonation war rein, die Streicher "weinten" wenn angebracht, die Bläser strahlten, das Fagott klagte in Moll bei Leid und Gleichgültigkeit und alles schwang sich zur beglückten Ekstase mit Pauke und Trompeten zum instrumentalen Glanz auf.
Das hervorragende Orchester, insbesondere auch die von Jürgen Pfüller gespielte Orgel, war das Standbein des Geschehens. Nichts blieb diffus, jede Farbe, alle Tempi, jede Phrasierung sind mit Bedacht gesetzt worden. Der gesungene Text spiegelte sich auch in der Orchestersprache wider. Concentus musicus lotste die Sänger durch die musikalische Abfolge, neugestaltet von Maik Gruchenberg unter dem Aspekt des Weihnachtsoratoriums.
Strenge mitteldeutsche Polyphonie verband sich mit der Finesse der italienischen Oper und opernhaft dramatischen Szenen, vom Sopran Marie Friederike Schöder mit Glamourfaktor und rasanter Virtuosität interpretiert, standen neben Elementen der Kirchenmusik. Auch das Lieblingslied von Händels Schwester "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet" wurde von Schöder mit Modulationen des Vokales, des Tones, mit Verzierungen zu lebendigstem Leben erweckt. Sie erklomm jede Höhe, auch im pianissimo! Solisten blieben im Konzert Solisten, d.h. es gab keine Duette. Gewollte Gegensätze bereicherten und bildeten eine neue Einheit. So wurde der dunkle, Innigkeit und Ruhe ausstrahlende Alt von Leonore Becker vom hellen Orchesterklang umhüllt. Ihre Passionsarie "Er ward verschmähet" war in schönster Klangrede mit tiefer Ehrlichkeit und Reinheit dargebracht.
In opernhafter Dramatik schmetterte Jörg Fritz Reddin seine Bassarie "Die Tromba erschallt". Er strahlte dabei mit den Barocktrompeten im Duett. Zu erleben war sein Instrument Stimme, das sich nahtlos und in völliger Harmonie in den Orchesterklang einfügte.
Beginnend mit dem Accompagnato- Rezitativ, von Björn Christian Kuhn als hervorragender Händelsänger mit bildhafter Diktion und schlankem, reinem und durchgeistigtem Tenor gesungen, zeigte Kuhn seine gestalterischen Fähigkeiten. Er interpretierte Fragen zu Leid und Gleichgültigkeit und war so Botschafter nicht nur der biblischen Geschichte.
Die "Pifa", eine fröhliche neapolitanische Weihnachtsmusik, unter der die Hirten mit ihren Sackpfeifen zur Christmette in die Dorfkirche einmarschierten, jeder gespielte Ton wunderschön.
Beeindruckend war die Leistung der Halleschen Kantorei und die so erst mögliche und notwendige Balance zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen, den Solostimmen und eben dem Chor. Durch die gediegene Vorbereitung konnte der Chor als der im "Messias" eigentlich Handelnde auftreten, mit Textdeutlichkeit, Klangschönheit bei Tonsicherheit und nicht nachlassender Spannung. Die Solisten gaben ihm die Stichworte für seine Einsätze. So übernahm der Chor die Rolle der Engel bei der Geburt: "Ehre sei Gott in der Höhe" und er kommentiert das Heilsgeschehen.
Das in sich ausgewogene Ensemble mit sehr klangschönen Männerstimmen, agierte mit Nuancenreichtum und mit natürlicher Würde.
Ein Advent mit schönem Nachhall.

Fotos: U. Messerschmidt
Uraufführung der Pfingstkantate
"Komm, Heiliger Geist" von Maria Leontjewa
am 24. Mai 2015 im Gottesdienst im Dom zu Halle
Die Komposition entstand im Rahmen des Projektes des Halleschen Kirchenkreises
"DIALOG: Uraufführungen im Gottesdienst"



Zu dem Pfingstgottesdienst in der Reformierten Domgemeinde versammelten sich  nahezu 350 Menschen, die z. T. höchst emotionales und begeistertes Feedback gaben. Dies zeigte sich auch in dem Applaus, der nach einem Moment verhaltener Stille am Ende des Gottesdienstes sicher zuallererst der Komponistin, aber auch allen Ausführenden galt.

Bilder können über diesen Link betrachtet werden:

Link zum Ev. Kirchenkreis Halle

Johann Sebastian Bach, die Johannes-Passion und das nahende Osterfest 2015 in Halle
Dr. Stephanie Lotze


Am Sonnabend, den 21. 03. 2015 war in der ausverkauften Moritzkirche zu Halle unter der Leitung von Maik Gruchenberg mit den Solisten Reglint Bühler- Sopran, Leonore Becker- Alt, Patrick Grahl- Tenor, Stephan Heinemann- Bass (Pilatus und Arien), Pierre Klafs- Bass (Jesus), Jürgen Pfüller- Orgel, dem Kammerorchester Halle und der Halleschen Kantorei Bachsche Glaubensmusik in ihrer natürlichen Expressivität zu erleben, die Johannes-Passion.
Im engsten Wort-Ton-Verhältnis hat Bach hier die Kreuzigung Christi als zentrale Botschaft des Luthertums verkündet. Dem Chor kam dabei eine tragende Rolle zu. Ausladend und zugespitzt wurde agiert. In den Choralsätzen übernahmen die 100 Sänger den Part der aufrichtig anteilnehmenden Zuhörer. Hier war große Ausgewogenheit im Klang bei tiefer Verinnerlichung spürbar. In der Rolle der Massen ließen die Choristen alle Gemeinheit, allen Hass, alle Feigheit und allen Spott heraus. Eine Achterbahn der Gefühle führte stimmlich und mental an die Grenzen. Weder Verschleppen noch Hetzen im Tempo wurde von Maik Gruchenberg zugelassen. Eine noch konsequentere Herausarbeitung der jeweils führenden Stimmgruppe bei allen Protagonisten hätte noch mehr Durchsichtigkeit erzeugt. Aber die ständig wechselnden Klangfarben und eine manchmal sehr schroffe Harmonisierung wurden von Chor und Orchester generös umgesetzt. Die immer hilfloser und kleinlauter werdenden Einwürfe: "Wohin ? Wohin?"  als Ausdruck des Versagens und der Ziellosigkeit manipulierter Massen waren gespenstisch.
Bach hat am Text entlang komponiert und farbig instrumentiert. Das Kammerorchester Halle folgte der historischen Aufführungspraxis und spielte wie gewohnt auf historischen Instrumenten. Mit schönen Dissonanzen im Eingangschor glänzten die beiden Oboen, sie spotteten beim Gruß an den Judenkönig. Cello und Orgel flankierten den Evangelisten auf das Perfekteste. Patrick Grahl als Erzähler der Passionsgeschichte scheint als ehemaliger Thomaner auf der Bachschen Tradition fußend nahtlos und natürlich in seinen Part hineingewachsen zu sein. Da stand kein Sänger, da stand ein Evangelist. Die Viola da Gamba und zwei Violinen unterstützten den Gesang von Stephan Heinemann als Pilatus bei seiner ehrlichen Suche nach Wahrheit inmitten der tobenden Menge. Ruhig, getragen und zutiefst berührend in ihrer Wahrhaftigkeit waren diese Klänge. Die Viola da Gamba im schönen Solo mit dem Bass und der Orgel leitete die Alt-Arie " Es ist vollbracht" ein. Das eigentümlich zart und spröde klingende Instrument musste immer wieder unauffällig nachgestimmt werden. Rein und doch leicht verhangen passten diese Töne genial zur wichtigsten Botschaft, überbracht durch die warme, klangvolle Stimme von Leonore Becker. Ihre schlichte Gestaltungsweise hat etwas zutiefst Menschliches. Die Flöte und der Sopran von Reglint Bühler gingen eine schöne Symbiose ein und gestalteten Leichtigkeit und Freude in exponierten Lagen lupenrein und natürlich jubilierend. Das Solistenensemble ließ keine Wünsche offen. Natürlichkeitkeit paarte sich mit auserlesener Stimmkultur und authentischer Gestaltungsweise.
Die homogene Ensembleleistung um die wohl größte Geschichte der Welt wusste auch das Publikum zu schätzen und dankte mit viel Applaus.

Johannes-Passion in der Moritzkirche


Wenn die Hallesche Kantorei mit ihren 100 Choristen am 21. März die Passion von Johann Sebastian Bach zu Gehör bringt, dann wird dies die 14. Aufführung dieser großartigen Bach'schen Passionsmusik in der 45jährigen Geschichte des Chores sein. Die letzte Aufführung im Jahr 2008 in der Marktkirche liegt schon etwas zurück. Damals dirigierte den Chor noch dessen Gründer Professor Helmut Gleim, nun liegt die Leitung in den Händen von Maik Gruchenberg, einem Schüler von Prof. Gleim, der selbst schon in der Johannespassion als Solist mitgewirkt hat.
Obwohl einige (wenige) der Chormitglieder schon die erste Aufführung mitgestaltet haben und viele ihre Stimme auswendig können, gibt es auch 10 Neulinge im Chor. In der knappen Zeit von 10 Proben müssen die "Neuen" Ihre Stimme lernen, und die 68 Teile der Passion, von denen 29 der Chor bestreitet, haben es teilweise in sich mit gewagten Tonsprüngen, chromatischen Engführungen und schwierigen Fugen. Hinzu kommt, dass an einigen Stellen die gewohnte Interpretation weichen muss.
Wenn dann durch terminliche Gründe von Korrepetitor oder Chorleiter einige nötige Proben auszufallen drohen, dann muss sich der Chor dafür bei Tobias Fraß, dem Kantor der Moritzkirche bedanken, der diese Situation entschärfen konnte.
Die Hallesche Kantorei freut sich auf den für sie neuen Aufführungsort und möchte Sie herzlich einladen, am 21. März um 18 Uhr Bachs Johannes-Passion in der Moritzkirche zu erleben.

Ein herzliches Dankeschön  gilt der
Internationalen Herzogenberg-Gesellschaft
in Heiden (Schweiz)
für die finanzielle Unterstützung unserer Aufführung!!!

Rezension von Dr. Stefanie Lotze

Verneigung vor einem fast vergessenen Talent:
Heinrich von Herzogenberg




In 3 Teilen, Advent, Geburt und Anbetung des Christkindes, erklang am 13.12.2014 in der Marktkirche Halle „Die Geburt Christi", ein Weihnachtsoratorium in seiner Schlichtheit groß. Uneitel ist diese Komposition des Österreichers und Weltbürgers Heinrich von Herzogenberg (1843-1900). In Straßburg 1894 uraufgeführt, hat Herzogenberg bewusst darauf geachtet, für die Gemeinde handhabbare Gebrauchsmusik zu schreiben, in kleiner Besetzung mit Streichorchester, Oboe, Harmonium und Orgel, Chören und sechs Solisten. Unter der Leitung von Maik Gruchenberg musizierte mit der Kammerakademie Halle ein Orchester, in dem Studenten neben ihren Dozenten saßen und damit die schönste und effektivste Form praktizierten, Wissen und Klangkultur hörbar weiterzugeben.

In der Interpretation durch Maik Gruchenberg mit der Marktkantorei, der Halleschen Kantorei und dem ältesten deutschen Knabenchor, dem Stadtsingechor zu Halle, entfalteten die wunderschön bearbeiteten adventlich-weihnachtlichen Weisen und die biblische Gliederung des Werkes ihre suggestive Wirkung. Ewig junge, lyrische Kantilenen der bekanntesten Weihnachtslieder erklangen. Die Kinder als wichtiger Teil der Gemeinde waren durch den Stadtsingechor exzellent vertreten. Alle Sänger, ob Choristen oder Solisten, profitierten vom kompositorischen Grundgedanken Herzogenbergs, den leichten Fluss der Stimme zu unterstützen. Anfangs etwas verhaltene Choreinsätze und kleine metrische Schwankungen waren unerheblich.

Weihnachtslieder verbreiteten Vertrautheit und die romantische Musik strahlte in intensiven Bildern. Kammermusikalisch waren die Details schon durch die instrumentale Besetzung. Cello und Violine flankierten das Duett „Joseph, lieber Joseph mein", geradezu sinnlich gesungen von Julia Preußler als Maria und fürsorglich, mit warmen Tempre von Daniel Blumenschein als Joseph. Die Rolle des Engels war mit dem Alt Leonore Becker ideal besetzt, Björn Christian Kuhn verinnerlichte als Evangelist jeden Ton. Rainer Stoß sang seine Rezitative diesseitig und Manuel Helmeke war eine echte stimmliche Entdeckung. Als Solist erzählte nicht jeder „seine" Geschichte, sondern auch im Duett bis hin zum Quartett erzählten sie eine Geschichte mit gleicher Schwingung und berührender Klangschönheit. Das schwelgerische Vibrato kam von den Streichern, reiche Trillerverzierungen malten Gefühle. Glockenklangmetrik kündete von Freude. Der warme, runde, klangschöne und präzise Oboenton prägte den Dritten Teil.

Von einer zuverlässigen Stütze des Ensembleklangs am Harmonium durch Jürgen Pfüller bis hin zum prachtvollen Orgelsolo von Irènèe Peyrot war alles zu genießen. 
Ein Oratorium, das noch im verdienten Applaus nachklang.


Aufnahme: Doris Behm, Halle (13.12.2014)

Unsere nächste Aufführung

Heinrich von Herzogenberg
"Die Geburt Christi" - Kirchenoratorium op. 90

Das romantische Weihnachtsoratorium «Die Geburt Christi» von Heinrich von Herzogenberg wurde vom Komponisten am 16. 12. 1894 in der Straßburger Thomaskirche noch aus dem Manuskript vor mehr als 2000 Zuhörern innerhalb des Gottesdienstes uraufgeführt. Die Anregung zu diesem Werk und den Text (im Wesentlichen nach der Weihnachtsgeschichte von Lukas) lieferte von Herzogenbergs Freund, der Bachbiograf Friedrich Spitta. Das Besondere dieses Oratoriums liegt in der kleinen instrumentalen Besetzung (nur Orgel und Harmonium), der Ausführung mit Kinder- und Erwachsenenchor sowie in der Einbeziehung der Gemeinde für die Choräle. Von Herzogenberg verwendete bekannte Weihnachtslieder und schrieb das Oratorium für sechs Solisten und einen Erzähler (Evangelist). Von Herzogenberg hat jedoch entgegen Spittas Vorschlägen Streicher und eine Oboe hinzugefügt.
Der Katholik von Herzogenberg, der in Analogie zu dem Weihnachtsoratorium von Bach mit diesem Werk ein moderneres Weihnachtoratorium und damit neue Formen der evangelischen Kirchenmusik schuf, wurde 1843 als Sohn eines Kämmerers und Sekretärs am königlichen Hofe in Graz geboren. Seine Ausbildung erfolgte im Jesuitenkolleg und Gymnasien in München, Dresden und Graz. In Wien begann er mit einem Jura-Studium, wechselte dort aber bald zur Kompositionslehre an das Konservatorium. Hier lernte er Brahms kennen und seine spätere Ehefrau Elisabeth von Stockhausen, die als geschätzte Pianisten vom Format einer Clara Schumann in der Wiener Gesellschaft gefeiert wurde.
Mit seiner 1872 erfolgten Übersiedlung nach Leipzig verbindet sich sein starkes Wirken in der Bach-Pflege, die u.a. in der Mitgründung des Leipziger Bachvereins mündete. Ab 1885 war von Herzogenberg Professor für Komposition an der Berliner Hochschule für Musik. Der sehr frühe Tod seiner Ehefrau 1892 hatte starke Auswirkungen auf sein Schaffen, so dass gerade danach noch sehr bedeutende oratorische Werke entstanden. Heinrich von Herzogenberg starb im Oktober 1900 während einer Kur in Wiesbaden, wo er auch beerdigt wurde.
Am 13.12.2014 um 19.30 Uhr werden der Stadtsingechor, der Chor der Marktgemeinde und die Hallesche Kantorei gemeinsam mit der KammerAkademie Halle unter Leitung von Maik Gruchenberg das Oratorium von Herzogenberg in der Marktkirche in Halle aufführen. Die Solisten sind Sara Mengs – Sopran, Leonore Becker – Alt, Björn Christian Kuhn – Tenor, Rainer Stoß – Tenor, Daniel Blumenschein – Bass, Manuel Helmeke – Bass, Irénée Peyrot – Orgel, Jürgen Pfüller - Orgel/Harmonium.
Die Hallesche Kantorei dankt der Stadt Halle für die finanzielle Unterstützung.


Mitteldeutsche Zeitung vom 08.07.2014
Hallesche Kantorei

Mit sichtbarem Einsatz und Leidenschaft

Von Manuela Schreiber
Halle/MZ

Natürlich ist es leichter, ein Werk von Georg Friedrich Händel statt im umständlichen alten Englisch mit deutschem Text zu singen. Und ebenso ist es einfacher, Profimusiker und Nachwuchskräfte für ein herkömmliches Orchester in kleiner Besetzung zu finden (und zu bezahlen), als Musiker auf barocken Instrumenten, die der historischen Aufführungspraxis verpflichtet sind. Der Purist allerdings könnte die Augenbrauen heben und die Nase rümpfen. Doch ein Publikum, dass sich an einem schwülen Samstagabend - dazu noch während eines wichtigen Weltmeisterschafts- Fußballspieles - in den Dom zu Halle begibt, um Händels Dettinger Te Deum zu lauschen, gehört sicherlich nicht zu diesen kritischen Zeitgenossen.
Die Zuhörer erfreuten sich am Engagement, dem sichtbaren Einsatz, der Leidenschaft, mit der Maik Gruchenberg seine Hallesche Kantorei gemeinsam mit dem Orchester Concentus Musicus Halle zur erstmaligen Aufführung dieses Werkes in ihrer Chorgeschichte führte. Pauken, Trompeten und in weiten Teilen der Chor bestimmten das musikalische Geschehen auf die Lobpreisung Gottes als Dank nach der gelungenen Schlacht englischer Truppen über die Franzosen bei der Stadt Dettingen im Jahr 1748. Alt (Olivia Saragosa), Tenor (Stephan Scherpe) und Bass (Daniel Blumenschein) lieferten überwiegend kurze Einwürfe, die vom Chor stimmgewaltig beantwortet werden. Einzig in der Bassarie mit Trompete "Als Du auf Dich genommen die Erlösung der Welt" konnte der Solist die bewegliche Tiefe seiner Stimme wirklich zeigen.
Im Eingangsstück, Schuberts G-Dur-Messe, hatte allerdings die Sopranistin Ira Jung statt der Altistin einige Gelegenheit, ihre Stimme zu präsentieren, die allerdings für diesen innigen Schubert schon etwas überdimensioniert wirkte. In der ursprünglich nur mit Streichern besetzten Messe, von Schuberts Bruder Ferdinand durch Oboen und Fagott erweitert, konnte jedoch der Chor voll und ganz zu erkennen geben, was in ihm steckte. Vor allem das durch seine Homogenität und die gezielt herausgearbeiteten Reibungen stark berührende Credo wurde zu einem musikalischen Höhepunkt des Abends.


Konfirmationsgottesdienst am 11. Mai 2014 in der Johanneskirche

Die Hallesche Kantorei sagt der Johannesgemeinde ein Dankeschön für die Möglichkeit, ein Jahr im Saal der Gemeinde zu proben.

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Foto: Mitglieder der Kantorei beim Konfirmationsgottesdienst in der Johanniskirche unter dem Dirigat der Kantorin Katharina Gürtler, begleitet an der Orgel von Maik Gruchenberg.



Das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach in der Marktkirche zu Halle am 15. 12. 2013

Unter der Leitung von Maik Gruchenberg musizierte die Hallesche Kantorei gemeinsam mit den Solisten Ulrike Fulde –Sopran, Christina Mattaj  - Alt, Björn Christian Kuhn – Tenor, Burghard von Puttkammer – Bass, Jürgen Pfüller – Orgel und Concentus Musicus auf historischen Instrumenten. Alle gemeinsam läuteten bzw. paukten das kommende Weihnachtsfest als würdige Botschafter der Musik Bachs ein.

Foto: Generalprobe

Der Chor stand als "Wir" mit seinen Choralgesängen stellvertretend für die Gemeinde.

Und zur Gemeinde gehören auch und nicht zuletzt die Kinder. Auch sie waren in der voll besetzten Kirche erfreulich zahlreich vertreten.

Der Chor agierte mit der notwendigen Spannbreite von Jubel bis zum sehnsuchtsvollen Fragen, von verhalten bis mitreißend fulminant – immer mit Wissen im Klang. Wenn in Teil 3 der Eingangschor am Schluss wiederholt wurde, so war die gleiche Musik eben doch nicht dieselbe : erst einleitend, dann resümierend. Gleiche Noten wurden unterschiedlich interpretiert. Bewegung und Ruhe bildeten eine Einheit, Emotion und Ordnung griffen ineinander.

Gegensätze wurden von Maik Gruchenberg sehr exakt und stimmig herausgearbeitet, schönste Dissonanzen erklangen filigran. Gruchenberg hat Tempi ausgelotet von tänzerisch bis hin zum Rhythmus des Glockenschlages. Auch die Orchestermusiker, in dieser Besetzung eigentlich jeder ein Solist, folgten den starken dynamischen Kontrasten und den trotzigen Wiederholungen, die für Beharrlichkeit stehen. Stärke wurde durch synkopische Spannung gezeichnet. Inhalt und Form wurden zu einem eindringlichen musikalischem Geflecht, der Text punktgenau ausgemalt und stets klar artikuliert. Die Musik wurde zelebriert als Sprache und Struktur, nicht Fläche und Gemälde standen im Mittelpunkt.

Allen Beteiligten merkte man an, dass für sie Musik ein Lebenselixier ist. Die Solisten waren, auch in ihrem homogenen Zusammenklang, tief berührend, das Orchester ging eine Symbiose mit Solisten und Chor ein, und der Chor fand zu einer adäquaten Leistung.

Bachs symbolkräftige Instrumentierung wurde durch höchst anspruchsvolle Solopartien, gespielt auf historischen Instrumenten, meisterlich umgesetzt.

Die Oboen als Instrumente der Hirten spielten irdische Musik und die Oboe übernahm mit schönsten Dreiklangsbrechungen  die Symbolisierung des Hellen.

Streicher und Flöten symbolisierten die Engel mit wunderschönem Ton.

Die überaus bewegte Instrumentalstimme der Flöte und der 1. Violine steigerten das Gehen der Hirten sinnfällig zum Eilen.

Der alle Intentionen der Bachschen Musik auslotende Bass  Burkhard von Puttkammer  konzertierte mit der solistisch bravourösen 1. Trompete. Die Trompetenfanfare – sie zu spielen auf einer Barocktrompete ohne Ventile – war schon zu Bachs Zeiten eine Meisterleistung. Bis zum Schluss brillierte die 1. Trompete als Solist wahrhaft majestätisch und mit lupenreiner Intonation.

Den Mittelpunkt des 2. Teiles  bildete das Schlummerlied, gesungen vom Alt  Christina Mattaj, "Schlafe mein Liebster, genieße der Ruh". Aus dem Nichts modelliert erblühte der Ton. Schlanke Tongebung, in ihrer mütterlich – marianischen Rolle  nicht mit Vibrato behangen, dafür angenehm hell und klar, mit hervorragender Textverständlichkeit und koloratursicher, so war das Zuhören ein Genuss .

Auch die virtuos gespielte 1. Violine  stand im Zwiegespräch mit dem Alt Christina Mattaj. Barockvioline und Alt gestalteten in "Schließe mein Herz, das selige Wunder" eine komponierte Meditation, die in all ihrer temporären Bestimmtheit von zeitloser Schönheit und existenzieller Tiefe war.

Und auch im anschließenden Choral wurde diese Zeitlosigkeit schwebend als Ausflug in die Ewigkeit umgesetzt.

Der Sopran Ulrike Fulde als Stimme des Glaubens und der Andacht und der Bass Burkard von Puttkammer als "Vox Christi" verschmolzen im Liebesduett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen"  durch innige Harmonie der Schwingungen ihrer Stimmen zu einer Einheit. Glockenhell strahlend und unangestrengt beherrschten sie die syllabische Deklamation des Rezitativs genauso wie die lyrisch – empfindsame Singweise der Arien. Sie vereinten die Polarität Gott – Mensch glaubhaft.

Der Tenor Björn Christian Kuhn hat als Evangelist , vom Basso continuo zuverlässig und virtuos begleitet, das Bibelwort mit innerer Anteilnahme ausgedeutet. Schlichte, höchst verinnerlichte Rezitative standen neben Arien  mit Affekten der italienischen Oper. Björn Christian Kuhn modellierte eine breite Ausdrucksskala vom sehnsuchtsvollen Fragen  bis hin zu virtuos strahlenden und kämpferischen Tönen. Seine Spannbreite war so reich wie der Spannungsbogen den Bach uns im Weihnachtsoratorium als musikalisches Drama des Glaubens spüren lässt.

Und natürlich: ohne die 5 markanten Paukenschläge und die Trompeten mit fanfarenhaften Signalen kein Weihnachtsoratorium!

Am Ende hat Maik Gruchenberg die Hände noch oben gelassen, um den notwendigen Abstand zwischen dem letzten Ton und dem Applaus zu schaffen und damit Stille.

Danach hat das Publikum dieses Konzert mit Applaus und Fussgetrappel  regelrecht gefeiert und wurde durch eine Zugabe von 5 markanten Paukenschlägen und Trompetenfanfaren belohnt. Weihnachten ist das sinnlichste aller christlichen Feste. Genau das wurde den beglückten Zuhörern in der Marktkirche auf das Schönste verdeutlicht.

Dr. Stephanie Lotze



NRZ:

"Erlöserkirche: Dvořák - Requiem monumental"

Download Konzertkritik in der "Neuen Ruhr Zeitung"



Foto: Ralf Reinerth, Essen
Foto: Ralf Reinerth, Essen

Ein großes Werk groß dargeboten

Die Hallesche Kantorei wagt sich mit dem Essener Bachchor an Dvořáks "Requiem"

Von Manuela Schreiber

HALLE/MZ (5.11.2013) — Das Orchester fast in kammermusikalischer Besetzung, der Chor opulent - und dennoch entstand eine klangliche Ausgewogenheit, die für eine ausgezeichnete  Chorarbeit ebenso stand wie für glänzend aufspielende Musiker. Beides ermöglichte ein wahres Konzerterlebnis. Noch früh am Sonntagnachmittag war es, als sich die Staatskapelle in der gut gefüllten Marktkirche mit der Halleschen Kantorei und dem Essener Bachchor trafen, um Dvoraks "Requiem" zu zelebrieren. Und dennoch leider nicht früh genug, um nicht vom beginnenden Finale des Lichterfestes in der Innenstadt beeinträchtigt zu werden.

Doch tat das letztlich dem Gesamteindruck keinen Abbruch, ebenso wenig wie die einige Male auftretenden Abstimmungsprobleme  zwischen dem Dirigenten (Maik Gruchenberg) und den vier Gesangssolisten (lnes Lex, Kathrin Göring, Nils Giesecke und Ki-Hyun Park), die allesamt ihre Partien mit schöner Stimmkultur ausfüllten. Für die Beteiligten hieß es vor allem, das Pendel weit ausschwingen zu lassen zwischen immer wieder ausbrechender Ekstase, verhaltenem  A-cappella-Gesang und aufblitzender Moderne. Denn im Jahr 1891 wurde dieses groß angelegte Werk erst uraufgeführt, es zeigt einen Dvorak, der seine Hände musikalisch schon weit ins 20. Jahrhundert hinein ausstreckt.

Das macht dieses Werk so außergewöhnlich und anspruchsvoll und lässt es doch oft hinter seinem heute beliebteren und bekannteren "Stabat mater" zurückstehen. Zu Unrecht eigentlich, denn der Mut, diese kontrastreich ausgeformte Totenklage zum Klingen zu bringen, wurde auch am Sonntag durch tief berührende musikalische Momente belohnt.  Als der Solobass das "Domine Jesu" intonierte, das nur von einer dunklen Fagottlinie begleitet wurde, als in der Wiederholung des "Tuba mirum" plötzlich aufrüttelnde Röhrenglocken hinzutraten und das sonst üblicherweise so strahlende "Sanctus, sanctus" sich als dunkel zweifelndes Fragen erwies - als ein Fragen nach Glauben und Leben über den Tod hinaus.

Eröffnungskonzert der 43. Merseburger Orgeltage 2013

Ungefähr 40 Sängerinnen und Sänger der Halleschen Kantorei haben am 14. September bei der Aufführung des Requiems von
Dvořák im Rahmen des Eröffnungskonzertes der diesjährigen Orgeltage als "Fernchor" mitgewirkt.

Da die Hallesche Kantorei sich gewissermaßen selbst im Endspurt der Probenarbeit für ihre Aufführung dieses großartigen Werkes befindet, war es auch eine gute Möglichkeit, sich "schon einmal einzuhören".

Die exponierte Stellung des Fernchores auf der Orgelempore verhalf den von dort gesungenen Passagen zu einer besonderen Wirkung im Raum, welche teilweise auch durch die Einbeziehung der wunderbaren Orgel noch weiter gesteigert werden konnte.

Eine tolle Erfahrung für Sänger und Hörer!

Die erste Info "danach" konnte in der Homepage der Mitteldeutschen Zeitung am 16.09.2013 hier gefunden werden:

http://www.mz-web.de/merseburg-querfurt/merseburg-ausverkaufter-dom-zum-auftakt-der-orgeltage,20641044,24320546.html


Mitteldeutsche Zeitung vom 05.08.2013
Kirchenmusik
Requiem mit Hilfe aus Essen

Die Hallesche Kantorei bei der Probe (BILD: Thomas Meinicke)
Von Claudia Crodel

Die Hallesche Kantorei bereitet sich auf den Höhepunkt im Herbst vor.
Ab September gibt es ein neues Probendomizil bei der Propsteigemeinde.
Neue Mitglieder sind sehr willkommen.


Halle/MZ. Die meisten künstlerischen Ensembles der Saalestadt haben parallel zu den Schulferien ihre Sommerpause eingelegt. Das betrifft auch die Hallesche Kantorei. Der renommierte ökumenische Chor, der Mitglieder mehrerer Gemeinden hat hatte sich im Frühjahr mit Georg Friedrich Händels „Anthem Nr.7“ auf den Festgottesdienst der Händelfestspiele vorbereitet. Nach der Absage der Festspiele brachte er das Stück als Benefiz-Konzert zugunsten der Flutopfer zu Gehör und schaut nun gespannt auf die neue Saison, die im September beginnt: Neu wird nach der Sommerpause beispielsweise der Probenort sein. Hatte man in letzter Zeit die Räume der Johannesgemeinde genutzt, so werden die wöchentlichen Chorproben nun in der Propsteigemeinde stattfinden.

Seit zehn Jahren Freundschaft mit Essen

Dann hat die Hallesche Kantorei bereits einen besonderen Höhepunkt im Blick: Im November wird der Chor Antonin Dvoráks „Requiem“ vortragen. Dabei werden die Sänger aus der Saalestadt nicht allein auf der Bühne stehen. Das Dvorák-Requiem ist ein Projekt, das sie gemeinsam mit dem Essener Bachchor aufführen wollen.
„Mit dem Bachchor in Essen gibt es bereits seit gut zehn Jahren eine enge musikalische Freundschaft“, erklärt Maik Gruchenberg. Dvoráks Werk verlange einen besonders großen Chor. Damit die Musikfreunde beider Städte etwas davon haben, sind zwei Konzerte geplant, in Halle am 3.November in der Marktkirche und zwei Wochen später, am 17.November, dann in der Essener Erlöserkirche. Auf die Zusammenarbeit freuen sich alle Beteiligten schon sehr.
Dabei ist die Hallesche Kantorei auch ohne Unterstützung eines anderen Chors äußerst stimmgewaltig, denn sie hat momentan rund 120 Mitglieder. Bei den Aufführungen seien dann meist 100 aktive Sänger dabei, weil manch einer beruflich verhindert ist, so Gruchenberg.

Immer auf der Suche nach Mitstreitern

Er hat die Chorleitung im Herbst 2010 von Helmut Gleim übernommen. Der studierte Kirchenmusiker Gruchenberg ist eigentlich Mitglied im Opernchor Halle und auf der Opernbühne auch vielfach in solistischen Parts zu erleben. Er leitet die Kantorei mit großem Engagement ganz im Sinne des Anliegens des Chors, der sich die Pflege geistlicher Chormusik als erhaltenswerte Tradition und die Verkündigung des theologischen Inhalts der Werke auf die Fahnen geschrieben hat. Deshalb sind chorsinfonische Werke, in denen die Kantorei gemeinsam mit Gesangssolisten und Orchester auftritt, fester Bestandteil im Repertoire des Chors.
Die Mitglieder der halleschen Kantorei kommen übrigens aus sehr verschiedenen Berufen und aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen. Sie alle verbindet die Freude am Singen und an der Musik. „Wir sind auch immer auf der Suche nach weiteren Mitstreitern“ meint Gruchenberg. Die Altstimmen seien relativ gut besetzt, in allen anderen Stimmlagen sei Verstärkung sehr willkommen, egal ob Sopran, Tenor, Bariton oder Bass.


Benefiz-Matinee im Dom zu Halle am 16. Juni 2013

Zugunsten der Betroffenen des verheerenden Saale-Hochwassers  in unserer Stadt haben die Solisten Melanie Hirsch, Sebastian Byzdra, Frank Kaufmann, KMD Prof. Konrad Brandt,  Concentus musicus sowie die Hallesche Kantorei unter Leitung von Maik Gruchenberg in Abstimmung mit der Domgemeinde eine knappe Stunde Musik von Händel und Scheidt dargeboten. Ungefähr 230 Zuhörerinnen und Zuhörer ließen sich ermuntern und spendeten am Ausgang mehr als großzügig!

1.713,32 Euro konnten gesammelt und auf das Spendenkonto des Evangelischen Kirchenkreises Halle überwiesen werden.

Allen Geberinnen und Gebern sei herzlich dafür gedankt.


Musiken zur Weihnacht aus der Zeit der Romantik
Ein nicht alltägliches Weihnachtskonzert
in der Marktkirche zu Halle am 16. 12. 2012

 

Fotograf der drei Bilder: Hans-Christian Riecken


Das Weihnachtskonzert der Halleschen Kantorei verließ in diesem Jahr den sicheren Pfad des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach und widmete sich der Musik des 19. Jahrhunderts. Dabei zeigte die Ankündigung der Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Joseph Gabriel Rheinberger(1839-1901) und Otto Nicolai (1810-1849) eine erfreulich starke Anziehungskraft für musikinteressierte Hallenser. Das Konzert fand ein zahlreiches Publikum und viel begeisterten Beifall. Rheinbergers Weihnachtskantate ,"Der Stern von Bethlehem", umrahmt von Mendelssohns Choralkantate , "Vom Himmel hoch" und Nicolais gleichnamiger Weihnachtsouvertüre führte die Hörer durch die Kraft und Wärme ausstrahlenden romantischen Klänge und in Verbindung mit dem berühmten Choral Martin Luthers musikalisch fesselnd in die Weihnachtszeit.
Die in das Zentrum der Darbietungen gestellte Kantate Rheinbergers mit dem Text von dessen Frau Franziska von HoffnaaB folgt in neun Szenen der Weihnachtsgeschichte. Unter der sicheren und sehr aktiven Führung durch Maik Gruchenberg bewährte sich ein großes Ensemble, in dessen Mittelpunkt die Hallesche Kantorei zu erleben war. Souverän führte der Dirigent den gut studierten und aufmerksamen Chor, auf Klangschönheit und Präzision sowie differenzierte Gestaltung bedacht, durch die Abschnitte der Komposition. Ein weitschwingendes und inniges Chorlegato hätte vielleicht mancher Szene noch eindringlicheren Charakter geben können, trotzdem waren die Beiträge des Chores, darunter vor allem die Abschnitte "Erwartung", "Der Stern" und "Erfüllung", berührende Höhepunkte der Darbietung.


Zu klanglicher Bereicherung und markanten Gestaltungen trug zusammen mit Organist Jürgen Pfüller die "KammerAkademie Halle" bei, ein Orchester, in dem unter Leitung von Andreas Wehrenfennig Mitglieder der Staatskapelle Halle, Absolventen und Schüler höherer Klassen des Spezialzweiges Musik der Latina, Gymnasium der Franckeschen Stiftungen, sowie einige Gäste mitwirkten. Außer der den Gesang zuverlässig stützenden gesamten Instrumentalbesetzung waren es vor allem die Flöten und andere Holzblasinstrumente sowie die Hörner, welche die Ausstrahlung der Musik in wirkungsvoller Klanglichkeit und Beziehung zum jeweiligen Inhalt verstärkten. Gern sei an dieser Stelle angemerkt, dass das gemeinschaftliche Musizieren erfahrener mit jungen Musikern eine gute Hilfe für die Vorbereitung des Musikernachwuchses auf den künftigen Beruf ist. Leider blieb die überzeugende Leistung von Chor und Orchester in ihrer Aussage ein wenig eingeschränkt, da es nicht immer gelang, die akustische Problematik der Marktkirche im Interesse einer ausgewogenen Lautstärke von Chor und Begleitung zu meistern.
Von den Solisten Ines Lex (Sopran) und Asgeir Pall Agustsson (Bariton) ist Erfreuliches zu berichten: Klarheit des Tones und gute Textverständlichkeit verbanden sich mit schlankem Klang, sicheren Höhen und ansprechender Gestaltung. Dieses sowohl in ariosem wie rezitativem Gesang als auch insbesondere in der reizvoll wechselnden Gemeinsamkeit mit dem Chor wie etwa der Szene "Die Hirten" (Sopran). Auch die "Anbetung der Weisen", eine Komposition für Männerterzett und Chor, in der neben Agustsson zwei Chormitglieder solistisch mitwirkten (Rainer Stoss und Matthias Schulze), war ein schöner Beitrag zum Konzert.


Mendelssohns musikalisch auf der Grenze zwischen Klassik und Frühromantik stehende Kantate, ein früheres Werk des Komponisten, das dem Text Luthers in acht Strophen folgt und im Aufbau von Johann Sebastian Bach beeinflusst ist, war in seiner Frische und reichen Instrumentierung ein gelungener Konzertauftakt. Alle Mitwirkenden zeigten sich dabei in bester Form bei der Bewältigung dieses schönen Beispiels der beginnenden musikalischen Romantik. Nicht ganz so stark war die abschließende Ouvertüre von Otto Nicolai aufgrund ihrer musikalisch etwas landläufigen Komposition. Doch führte der Chor mit der letzten Strophe des Chorals das Konzert zu kraftvollem optimistischem Schluss. Dank gilt der Kantorei und allen Mitwirkenden für einen schönen musikalischen Nachmittag mit bisher noch nicht so bekannten Werken.

Dr. Claus Haake

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Weihnachtskonzert der Halleschen Kantorei
16. Dezember 2012, 16 Uhr, Marktkirche Halle

Dieses Jahr weicht die Hallesche Kantorei von der Tradition, das Weihnachtsoratorium von Bach aufzuführen, ab und hat drei hoch- und spätromantische Werke für das Weihnachtskonzert ausgewählt.

Dargeboten wird die von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901) im Jahre 1890 geschaffene Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" op. 164 für Sopran, Bariton, Chor und Orchester. Dieses Werk beschreibt eindrucksvoll die Weihnachtsgeschichte in neun lyrischen Bildszenen. Die Kantate entstand nach einer Dichtung seiner Ehefrau Franziska von Hoffnaaß. Das wunderschöne, in klarer Struktur komponierte Werk genoss zu seiner Zeit eine große Aufmerksamkeit, geriet aber auch mit dem weiteren kompositorischen Schaffen Rheinbergers weitgehend in Vergessenheit. Nach dem frühen Tod seiner Frau hat Rheinberger selbst nie einer Aufführung dieser Kantate beigewohnt. Sein Werk erlebt aber nun vielerorts eine Renaissance.

Zu Gehör kommt zudem die Choralkantate "Vom Himmel hoch" von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847). Dieses eindrucksvolle, festliche Werk beendete der erst 22-jährige Komponist zum Jahreswechsel 1831/32 in Rom. Er bearbeitete in teils machtvollen, jubilierenden Klangfolgen, aber auch in lieblich anmutenden Sätzen in sechs Teilen die Strophen von Luthers berühmtem Lied. So darf die Aufführung dieser Kantate auch als Beitrag der Halleschen Kantorei zum Themenjahr „Reformation und Musik“ gesehen werden.

Schließlich enthält das Aufführungsprogramm als thematische Ergänzung die 1833 entstandene wirkungsvolle Weihnachtsouvertüre über den Choral "Vom Himmel hoch" von Otto Nicolai (1810-1849). Es ist sicher für die Konzertbesucher interessant, den bekannten Opernkomponisten von einer anderen Seite kennen zu lernen. Er war als studierter Kirchenmusiker auch ein bedeutender Organist und Dirigent des Königlichen Domchores in Berlin.
Die Hallesche Kantorei freut sich auf Ihren Besuch dieses etwas anderen Weihnachtskonzerts oder vielleicht auch auf Ihre Mitgliedschaft im Chor für kommende chorsinfonische Projekte.

Aufführungstermin: Dritter Adventssonntag, 16.12.2012 um 16.00 Uhr in der Marktkirche.
Mitwirkende: Hallesche Kantorei, Kammerakademie Halle,
Ines Lex – Sopran, Ásgeir Páll Ágústson – Bariton;
Leitung: Maik Gruchenberg

Kartenvorverkauf bei Halle-Tourist am Markt oder an der Abendkasse.